
Exoskelette – tragbare Stütz- und Entlastungssysteme für Rücken, Schultern oder Arme – sind längst kein reines Zukunftsthema mehr, sondern in einzelnen Handwerksbetrieben bereits im Einsatz. Seit den ersten Modellen hat sich technisch viel getan: Die Geräte sind leichter, gezielter auf einzelne Körperregionen abgestimmt und zunehmend auch für den Werkstatt- und Montagealltag ausgelegt. Dieser Beitrag gibt einen aktuellen, nüchternen Überblick – inklusive der Grenzen, die es nach wie vor gibt.
Grundsätzlich unterscheidet man zwei Bauarten. Passive Exoskelette arbeiten rein mechanisch mit Federn oder elastischen Elementen, ohne Motor und Akku – sie speichern Bewegungsenergie zwischen und geben sie in der Belastungsphase wieder ab. Bekannte Beispiele sind der Paexo Back und Paexo Shoulder des deutschen Herstellers Ottobock (bekannt aus der Prothetik) sowie Modelle des niederländischen Herstellers Skelex, die gezielt Rücken, Schultern oder auch den Handgriff unterstützen. Aktive Exoskelette haben dagegen einen Motor, der die Bewegung tatsächlich unterstützt – etwa beim Heben schwererer Lasten. Der deutsche Hersteller German Bionic ist hier ein bekannter Anbieter, dessen aktuelle Modelle nach Herstellerangaben Hebevorgänge bis rund 36 kg unterstützen. Aktive Systeme sind leistungsfähiger, aber auch deutlich teurer und wartungsintensiver als passive Modelle.
Bei Montagearbeiten fallen viele Tätigkeiten an, die den Körper einseitig belasten: Überkopfarbeiten beim Anbringen von Deckenelementen oder Oberschränken, wiederholtes Bohren und Schrauben über Schulterhöhe, oder das Tragen und Positionieren schwerer Platten. Genau für solche Situationen sind Schulter-/Arm-Exoskelette gedacht – sie nehmen einen Teil der Haltearbeit ab, wenn die Arme über längere Zeit angehoben werden müssen. Für das Heben und Tragen von Lasten aus gebückter Haltung sind dagegen Rücken-Exoskelette das naheliegendere Modell.
In der Werkstatt sieht die Belastung oft anders aus: viel Stehen an der Werkbank, wiederholte Bewegungen beim Schleifen oder Hobeln, gebückte Haltungen beim Zuschnitt oder bei der Montage am Werkstück. Auch hier kommen vor allem Rücken- und Schulter-Modelle infrage, teils auch Systeme, die gezielt den Handgriff bei repetitiven Tätigkeiten (z. B. Schleifen) unterstützen.
Laborstudien zeigen bei gezielten Bewegungen eine messbare Reduktion der Muskelaktivität in den unterstützten Bereichen. Gleichzeitig weisen aktuellere Untersuchungen (2026) darauf hin, dass die tatsächliche Praxistauglichkeit oft der größere Engpass ist als der biomechanische Nutzen selbst: In einer Untersuchung mehrerer gängiger Geräte lag die Zahl der nötigen Einstellschritte teils bei über 100, mit spürbaren Ausfall-/Fehlbedienungsraten. Das heißt konkret: Ein Exoskeleton, das unbequem sitzt, kompliziert einzustellen ist oder die Bewegungsfreiheit bei anderen Tätigkeiten einschränkt, wird in der Praxis oft schlicht nicht durchgehend getragen – dann bleibt auch der Nutzen aus. Exoskelette sind außerdem in der Regel auf bestimmte Bewegungsmuster ausgelegt und helfen nicht gleichermaßen bei jeder Tätigkeit.
Als grobe Richtwerte (keine verbindlichen Preise, stark modell- und anbieterabhängig): passive Modelle bewegen sich häufig im Bereich von einigen Tausend Euro, aktive/motorisierte Systeme deutlich darüber, oft im niedrigen bis mittleren fünfstelligen Bereich. In Deutschland fördert die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) für Mitgliedsbetriebe testweise die Anschaffung bestimmter Exoskelett-Modelle anteilig. Für Österreich konnte kein vergleichbares, konkretes Förderprogramm der AUVA bestätigt werden – hier lohnt sich eine direkte Anfrage bei AUVA oder Wirtschaftskammer, ob aktuell eine passende Förderung besteht.
Exoskelette sind kein Wundermittel, aber ein reales, sich weiterentwickelndes Werkzeug für bestimmte, klar abgrenzbare Belastungssituationen – vor allem Überkopfarbeiten und wiederkehrendes Heben. Vor einer Anschaffung lohnt sich ein Praxistest im eigenen Arbeitsalltag, da Passform und Trageakzeptanz laut aktueller Forschung mindestens so entscheidend sind wie die reine Entlastungswirkung.
Was ist der Unterschied zwischen aktiven und passiven Exoskeletten?
Passive Exoskelette arbeiten rein mechanisch mit Federn, ohne Motor oder Akku, und sind günstiger sowie wartungsärmer. Aktive Exoskelette haben einen Motor, der die Bewegung tatsächlich unterstützt, sind aber teurer und aufwendiger im Unterhalt.
Für welche Arbeiten eignen sich Exoskelette in der Montage am besten?
Vor allem für Überkopfarbeiten (Decken, Oberschränke, Bohren über Schulterhöhe) und für wiederkehrendes Heben und Tragen schwerer Bauteile – hier setzen Schulter- bzw. Rücken-Exoskelette gezielt an.
Sind Exoskelette wissenschaftlich belegt wirksam?
Laborstudien zeigen eine messbare Reduktion der Muskelaktivität in den unterstützten Bereichen. Aktuelle Forschung betont aber, dass Passform, Bedienkomfort und tatsächliche Tragehäufigkeit im Alltag mindestens genauso entscheidend für den Nutzen sind wie die reine Technik.
Gibt es in Österreich eine Förderung für die Anschaffung von Exoskeletten?
Ein konkretes, bestätigtes AUVA-Förderprogramm dafür konnte nicht gefunden werden. In Deutschland gibt es ein anteiliges Förderangebot der BG BAU für Mitgliedsbetriebe. In Österreich empfiehlt sich eine direkte Anfrage bei AUVA oder Wirtschaftskammer.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle arbeitsmedizinische oder sicherheitstechnische Beratung.